Haut und Dehnungsstreifen

Dehnungsstreifen: Ursachen, Verlauf und Behandlung

Evidenzbasiert mit Quellen Stand: 4. September 2026 Lesezeit etwa 3 Minuten

Wie Dehnungsstreifen entstehen, warum rote Streifen behandelbarer sind als weiße und was Cochrane-Evidenz zu Cremes sagt. Mit realistischen Erwartungen.

Schwangere Frau hält ihren Bauch im Gegenlicht
Foto: freestocks / Unsplash

Auf einen Blick

Dehnungsstreifen (Striae) sind Risse in der elastischen Struktur der Lederhaut, entstanden, wenn die Haut schneller gedehnt wird, als ihr Kollagen- und Elastingerüst mitwachsen kann: in Schwangerschaft (50 bis 90 Prozent der Schwangeren sind betroffen), Pubertät, bei raschen Gewichts- oder Muskelzuwächsen und unter Kortisoneinfluss. Frische Streifen sind rot bis violett (Striae rubrae) und noch durchblutet, alte sind weiß-perlmuttartig (Striae albae) und narbenähnlich. Zwei Kernaussagen der Evidenz: Cremes verhindern Dehnungsstreifen nicht (Cochrane-Review über 6 Studien mit 800 Frauen ohne Unterschied zu Placebo), und komplett entfernen lässt sich kein Streifen; behandelbar ist vor allem die frühe rote Phase. Medizinisch sind Striae harmlos.

Wie entstehen Dehnungsstreifen?

Die Lederhaut verdankt ihre Reißfestigkeit einem Geflecht aus Kollagen und Elastin (Grundlagen). Wird die Haut zu schnell oder zu stark gedehnt, reißt dieses Geflecht in der Tiefe, während die Oberhaut intakt bleibt; sichtbar wird der Defekt als Streifen. Begünstigend wirken:

  • Hormone: Kortisol und Schwangerschaftshormone lockern die Faserstruktur; deshalb entstehen Striae bevorzugt in Schwangerschaft und Pubertät sowie unter Kortisontherapie.
  • Tempo der Dehnung: schnelles Wachstum, rasche Gewichtszunahme, zügiger Muskelaufbau (auch Bodybuilding-Striae an Schultern und Brust).
  • Veranlagung: Die Neigung häuft sich familiär, Teil der Bindegewebsschwäche.

Typische Stellen: Bauch, Brüste, Hüften, Po, Oberschenkel, Oberarme.

Rot oder weiß: Warum die Farbe entscheidet

Stadium Aussehen Bedeutung
Striae rubrae (frisch) rot bis violett, teils leicht erhaben aktive Phase, noch durchblutet, am ehesten beeinflussbar
Striae albae (reif) weiß, eingesunken, glänzend narbige Endphase, Pigment und Anhangsgebilde fehlen, kaum rückführbar

Diese Zweiteilung erklärt fast alle Behandlungsfragen: Wer etwas erreichen will, muss früh handeln; weiße Streifen lassen sich höchstens optisch mildern, Details unter Dehnungsstreifen entfernen.

Geöffneter Cremetiegel mit weißer Textur in Nahaufnahme
Foto: Poko Skincare / Unsplash

Was hilft und was nicht?

Vorbeugung: Die Cochrane-Auswertung von 6 Studien mit 800 Frauen fand keinen Unterschied zwischen Cremes und Placebo, weder beim Entstehen noch beim Schweregrad; Kakaobutter und Olivenöl schnitten in Einzelstudien ausdrücklich wirkungslos ab. Beeinflussbar bleibt das Dehnungstempo: moderate Gewichtsentwicklung, auch in Schwangerschaft und Muskelaufbau, Einzelheiten unter Dehnungsstreifen vorbeugen.

Behandlung: In der roten Phase existieren Daten zu Tretinoin (in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert) und zu apparativen Verfahren wie Laser und Microneedling; in der weißen Phase sind die Möglichkeiten begrenzt. Für Öle und Standardcremes fehlt der Wirknachweis in beiden Phasen. Und: Kein Verfahren löscht Streifen vollständig.

Einordnung: Striae sind medizinisch harmlos und extrem verbreitet. Behandlung ist eine rein ästhetische Entscheidung; Gelassenheit ist die günstigste und nebenwirkungsfreiste Option.

Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist

  • Streifen ohne erkennbaren Auslöser (ohne Schwangerschaft, Wachstum, Gewichtsveränderung), besonders zusammen mit Gewichtszunahme am Rumpf, rundem Gesicht oder Bluthochdruck: Abklärung von Hormonstörungen wie dem Cushing-Syndrom
  • Striae unter oder nach Kortisontherapie: Rücksprache zur Therapie
  • Kinderwunsch bis Stillzeit plus Behandlungswunsch: keine Tretinoin-Produkte; Verfahren gehören in dermatologische Beratung

Häufige Fragen

Gehen Dehnungsstreifen wieder weg?

Vollständig nein. Rote Streifen verblassen von selbst zu weißen und können früh behandelt deutlich unauffälliger werden; weiße bleiben als helle Linien bestehen.

Warum bekommen manche Menschen keine Dehnungsstreifen?

Veranlagung: Struktur und Dehnbarkeit des Fasergerüsts sind genetisch unterschiedlich. Wer langsam wächst und Gewicht stabil hält, senkt das Risiko zusätzlich, eine Garantie gibt es in keine Richtung.

Sind Dehnungsstreifen gefährlich?

Nein, sie sind eine rein kosmetische Veränderung. Abklärungswürdig sind nur Streifen ohne Auslöser mit weiteren Symptomen (siehe oben).

Helfen Öle und Cremes in der Schwangerschaft?

Gegen das Entstehen laut Cochrane-Review nicht. Eincremen pflegt die Haut und lindert Spannungsgefühl und Juckreiz, das ist ein legitimer Nutzen ohne Präventionsversprechen.

Bekommen auch Männer Dehnungsstreifen?

Ja, vor allem in Wachstumsschüben der Pubertät, bei schnellem Muskelaufbau und Gewichtsveränderungen; die Schwangerschafts-Prävalenz macht Frauen insgesamt häufiger betroffen.

Quellen

  • Brennan M, Young G, Devane D: Topical preparations for preventing stretch marks in pregnancy. Cochrane CD000066 (6 Studien, n=800)
  • Stretch marks during pregnancy, a review of topical prevention. Br J Dermatol (10.1111/bjd.13426): Kakaobutter/Olivenöl unwirksam, Tretinoin-Hinweise, Schwangerschafts-Kontraindikation
  • Management of stretch marks with a focus on striae rubrae. J Cutan Aesthet Surg (Stadien und Behandlungsfenster)
  • Prävalenz Striae gravidarum 50 bis 90 Prozent: Cochrane-Hintergrund und Studienprotokoll PMC6186113

Stand der Recherche: 3. September 2026. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.